Samstag, 21. März 2026

Blick zurück

Gesehen I in den News: eins meiner liebsten Bäder in Karlsruhe, das Sonnenbad. Weil es am Freitag, 13.3. die Saison eröffnet hat. Das Sonnenbad wird dieses Jahr 111 Jahre alt. Meine liebe Omi hat dort schon ihre Runden gedreht. Für mich muss es aber noch ein bisschen wärmer werden... So lustig, mein Bad urplötzlich im Fernsehen zu sehen
Gesehen II zwei weitere Folgen in der arte-Medithek aus der Reihe „Häuser der Kunst“: 1.) „Claude Monet: Das Gartenhaus in Giverny und 2.) „Thomas Mann: Das Sommerhaus in Nida“. Sehr, sehr gut gemachte Reihe — interessant und kurzweilig. Ich glaube, ich habe noch nie einen schöneren Garten als den von Claude Monet gesehen. Noch heute arbeiten dort 15 Gärtner extra zur Erhaltung dieses Traums! Monet war obsessed mit Seerosen (ich weiß noch, wie P mir damals aus Paris ein Foto seiner 360° Seerosen aus dem Musée de L’Orangerie geschickt hat). Mir war nicht bewusst, dass Monet Vorreiter der seriellen Kunst war. Er malte ein und dasselbe Motiv zu unterschiedlichen Tageszeiten und stellte es in unterschiedlichen Licht- und Farbstimmungen dar. So wurde er später zum Vorbild von Künstlern wie Andy Warhol. Und ich wusste nicht, dass Litauen so eine großartige Landschaft hat mit riesigen weißen Dünen und Kiefernwäldern und einer starken Brandung. Ich kann gut verstehen, dass Thomas Mann sich ein Häuschen auf diesem Flecken Erde bauen ließ (hier ein schöner Beitrag draüber auf bpb.de). Leider nutzten die Manns das Ferienhaus nur drei Jahre, bis 1932, dann gingen sie ins Exil in die USA. Absolute Empfehlung für diese Häuser-der-Kunst-Serie!
Getan I kurz ins ZKM gedüst und das AI-Kunstwerk „Machine Hallucinations — Satellite Simulations“ von Refik Anadol angelinst. Das ZKM zeigt mit „THE SCREEN“ sechs Wochen lang auf einer LED-Wand drei künstlerische Positionen, die sich auf unterschiedliche Weise mit künstlicher Intelligenz auseinandersetzen. Beim Betrachten des Kunstwerks hab ich gemerkt, dass ich persönlich die AI lieber für Informationen/Recherche nutze, als für Kunst. Ich konnte ehrlich gesagt nicht so viel anfangen mit diesen AI-generierten Bildern, auch wenn die Größe (6 x 8,5 m) beeindruckend war. Aber ich hätte mich jetzt nicht minutenlang davor gelegt, wie das  andere Besucher gemacht haben. Vielleicht muss ich mich auch erst daran gewöhnen. Bis jetzt ziehe ich menschengemachte Kunst definitiv vor. Ich finde, man merkt, auch bei Texten, dass es eine Maschine gemacht hat. Irgendwie fehlt die Seele. Die Idee, die hinter diesem Kunst-Erlebnis steckt, finde ich super: „THE SCREEN versteht sich nicht nur als Präsentationsfläche für Medienkunst, sondern als Ort, an dem wir Zeit verbringen können — mit Kunst und mit anderen.“
Getan II L einen meiner Lieblingsorte hier gezeigt, die Felder ringsum den Friedhof in Schluttenbach. Die farbig verhüllten Strohballen hatten fast was von Land Art
Gelesen immer noch Arno Rinks „Ich bin kein moderner Künstler“*. Ich hab aber auch mal in mein neuestes Büchlein „Sorry Vienna“ reingeschaut
Getrunken Hagebuttentee, weil es in Schlutti oben so kalt war und ich mich danach erst mal aufwärmen musste
Gegessen eine kleine Tüte Pommes, die mir L und P von ihrem abendlichen Ausflug zu Burger Jeff mitbringen. Es geht nichts über einfache, ehrliche Pommes... Neulich auf dem Weg nach Stuttgart beim Autobahnrastplatz kam uns ein Typ entgegen. In der einen Hand hielt er einen Drink, in der anderen eine große Portion Pommes. Die rote Schachtel trug er direkt vor dem Mund und zog mit den Zähnen die Pommes aus der Schachtel, das sah so greedy aus, haha. Ich kann es verstehen, Pommes sind was Feines
Gelacht I dass der Biscoff Cheesecake jetzt auch schon in Cafés angekommen ist (nicht nur auf TikTok und bei bei uns zu Hause dank L und K). Mein Bruderherz war in einer Ausstellung von Christoph Niemann und hat anschließend in der Auslage eines Cafés dort den Biscoff Cheesecake entdeckt
Gelacht II wie L mich zu sich ruft und mir mit SnapChat plötzlich sehr, sehr große Augen zaubert, lol. Ich lach mich tot, diese Filter immer
Gelacht III sonntags morgens liegt in der Küche eine orangefarbene Rose. Ich bin neugierig und frage P: „Hast du heute Nacht eine Rose bekommen?“ „Ja! Sogar zwei. Aber von der anderen ist der Kopf abgefallen.“ Haha. „Waren Blumenverkäufer im Club unterwegs?“ „Jaa. Und dann kaufen die Typen Rosen und verschenken sie an die Damenwelt.“ „Aiaiaiai. Und was kostet so eine Rose?“ „Zwei Euro.“ Die Rose macht sich ausgezeichnet neben der rosafarbenen Ranunkel — wenigstens hier ein Match
Gelacht IV als ich, neben einigen Palmen im Angebot, einen Pfälzer Zwilling von unserem Wagen auf dem Baumarktparkplatz entdecke. Mit einem kleinen, wichtigen Unterschied — laut K sind die Felgen ja wie die guten Schuhe eines Outfits, deshalb achte ich da neuerdings sehr drauf, hehe
Gefreut I dass die Anemonen wieder zahlreich blühen. Sie erinnern mich bisschen an das Logo von Montblanc (wie hier auf dem Tintenfass)
(erst gewundert dann) Gefreut II als mich P anweist: „Meine Schuhe da kannst du zum Müll tun.“ Sie deutet auf ein Paar Adidas-Sneaker. „Was?? Die Sambas?? Die schmeiß ich nicht weg. Die putz ich und dann nehm ich die.“ W (wie win). Solche Schuhe wollte ich eh schon die ganze Zeit haben. Jetzt brauch ich nur noch ein paar neue Laces, dann sehen die wieder top aus. Tssssss
Gefreut II über die soziale Ader der Kinder. Ich unterhalte mich mit ihnen über Schulnoten. Wir sind alle keine Einserschüler und ich meine: „Ihr seid dafür emotional intelligent, das ist viel wichtiger.“ P hat sich gerade bei einem Aufruf ihrer PH gemeldet, bei dem Leute gesucht werden, die US-Gaststudenten betreuen und sich wöchentlich mit ihnen treffen, um ihnen die deutsche Sprache näher zu bringen (auf dem Plan stehen zwei Stunden pro Woche — eine Stunde davon soll Deutsch gesprochen werden, eine Englisch. Perfekt für meine P)
Geärgert über ein Einschreiben, das nicht ankam. Wozu kaufe ich extra teure Zusatzleistungen für ein wichtiges Dokument, wenn es dann verloren geht?
Gestaunt I über Papas Omnibus-/LKW-Fahrschul-Stories zum Thema „Rev-Matching“ von letzter Woche (er hat sämtliche Führerscheine, die man so machen kann, auch alle Bootsführerscheine). Passend dazu lese ich fünf Minuten später auf Insta von dem 15-jährigen Mainzer, der in Wiesbaden einen Linienbus gekapert hat, und von dort nach Karlsruhe gefahren ist, um seine Freundin abzuholen und zur Schule zu fahren (hier zum Artikel), Alter Schwede. Ich hatte schon Probleme, damals einen kleinen 3,5t-Laster zu fahren während meiner Schreinerausbildung — aber einen Linienbus?!!? K und ich rätseln hart (entsetzt und bewundernd gleichzeitig; ist ja immerhin kein Kavaliersdelikt), wie der Junge das geschafft hat. Die Kommentare unter dem Insta-Post immer... kleiner Auszug: „ÖPNV soll den Bruder sofort einstellen. Er hat mit 15 schon 10 Jahre Berufserfahrung bewiesen!“ „Bare minimum oder Princess treatment?“ „Romeo & Juliette who? This is peak romance.“ „Meine Erwartungen haben sich hiermit nochmals erhöht.“ „'Ich fahre für dich ans Ende der Welt.' Oder eben nach Karlsruhe.“ „Und er schafft’s dir nicht mal in drei Tagen zu antworten. Know your worth.“
Gestaunt über eine ungewöhnliche Möglichkeit der Kontaktaufnahme. P möchte mir ein paar Fotos schicken und bittet mich, auf dem Handy AirDrop einzuschalten. Dann plingen ihre Fotos bei mir auf. Ich überlege: „Wenn ich das anmache, kann mir dann praktisch jeder andere, der auch gerade AirDrop an hat, Fotos schicken, so wie du jetzt??“ „Jaa! Das hab ich im Flugzeug schon erlebt!“ „Wie bitte??“ „Das machen Leute, denen langweilig ist.“ Oh Gott
Gewundert über den Preis einer alten Postkarte bei eBay mit einem ähnlichen Motiv, wie ich es letzte Woche im Haus Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung geknipst hab
Gekauft Schnürsenkel

Schönes Wochenende!


*Auszüge aus Arno Rinks Tagebüchern

Donnerstag, 7. Dezember 2000
War heute Abend zum ersten Mail seit Jahren wieder zu einer Ausstellungseröffnung. (...) Eine gute Ausstellung und die Stadt begreift nicht, was sie an jungen Künstlern hat und natürlich auch an mir. Aber die Leute — vom OB angefangen bis was weiß ich nicht — sind auch nur halb gebildet. Die Stadt mit ihren Vertretern ist provinziell. Wenn die Ausstellung heute Abend aus dem Westen oder dem Ausland gekommen wäre, hätte sie eine andere Resonanz.
Mein heutiger Auftritt hat natürlich zur Folge, dass jeder mich sehen will. Ist doch schön, aber eben auch anstrengend. Neo hat mich noch mal persönlich für Sonnabend eingeladen. Ich bin langsam eine Instanz, d.h. es geht langsam auf die Urne zu. 
An den Jungs und Mädels merke ich, wie alt ich bin, aber auch, wie viel Vertrauen da ist zu mir. Ich will das immer nicht wahrhaben, weil es abseits der Malerei ist. Aber es ist auch schön. Es ist bewundernswert, wie diese jungen Leute ohne eine konkrete Chance ihr Ding machen. Sie machen Malerei und es macht sie frei und sie werden nicht reich davon und es ist ein lebenslanger guter Kampf, wenn sie es so wollen. 
Dann treffe ich in der Passage drei Skater, die sagen, hallo Herr Rink. Sie kannten mich über Marie. Junge Menschen sind wohl das faszinierendste. Ich kann nicht mehr so lange durchhalten, alle Gespräche sind intensiv und bedeuten Kraft, die ich nicht mehr habe.

Dienstag, 26. Dezember 2000
Die Woche Weihnachten – Neujahr stresst mich mehr als drei Wochen normale Arbeit. Weil auch gar nichts zu richten ist, weder im Guten noch im Schlechten.

Mittwoch, 27. Februar 2002
3sat bringt eine Reihe über Stefan Zweig heute, über sein Leben mit vielen Zitaten aus der Welt von gestern. Wie ich ein Feigling, läuft pausenlos davon.

Donnerstag, 27. Juni 2002
Die Hälfte des Jahres ist gleich wieder rum. Im September kommt die 62. Dann 63, 64, 65, 66, 67, 68, 69,70, 71, 72, 73, 74, 75, 76, 77, 78, 79, 80, 81, 82, 83, 84, 85, 86, 87, 88, 89, 90, 91, 92, 93, 94, 95, 96, 97, 98, 99, 100, 0102030405060708091011121314151617181920212223242526272829. Ja, irgendeine davon ist es und es ist das Mysterium, dass man es nicht weiß. Auch nicht wissen will. Wir könnten mit so einem Wissen nicht umgehen. Es nicht zu wissen ist eine Gnade.

Sonntag, 2. Juni 2002
Nach außen sehen wir natürlich wie die Gewinner der Wende aus: zwei Häuser (Vorderhaus, Atelier), großer Garten, zwei englische Windhunde, drei Autos im Moment, ein Porsche, ein Benz, ein Peugeot. Es ist auch alles ein enormer Kraftakt, der immer auf der Kante läuft, denn Rücklagen gibt es nicht, also kein Vermögen, nur Dinge und Studien, die bezahlt werden müssen. 

Sonnabend, 29. Juni 2002
Das Leben ist eine einzige Disziplin. Nicht zu viel trinken, Geld sparen, arbeiten, nicht zu viel essen, keine Exzesse — was immer das inzwischen sein mag. Wenn ich schon mal was möchte, z.B. schnell Porschefahren, kann ich es nicht, weil ich immer mit der nächsten Kurve beschäftigt bin, so macht es wohl auch keinen Spaß. Es ist wie im ganzen Leben, ich bin ein Feigling. Ein Glück, dass es nicht allzu viele wissen und wenn ich es öffentlich und laut sage, glaubt es mir niemand. Man glaubt mir die Wahrheit nicht.













Mittwoch, 18. März 2026

Architektur-Attraktion: Die Weissenhofsiedlung in Stuttgart

P und ich erreichen die Weissenhofsiedlung Stuttgart an einem sonnig-kühlen Tag. Unseren Wagen parken wir vor einem Haus von Peter BehrensDie Faszination beginnt sofort und wird gespeist aus zwei Komponenten: a) die Höhenlage und b) die Architektur. Was für eine unschlagbare Kombi! Ich war früher so oft in Stuttgart, in allen möglichen Museen, Shops, Clubs — aber nie hab ich mir die Weissenhofsiedlung angesehen. Warum nur? 

Viele bekannte Namen sind unter den 17 Architekten, die diese großartige Siedlung entworfen haben. Allen voran Le Corbusier, der das Doppelhaus, in dem heute das Weissenhofmuseum untergebracht ist, zusammen mit seinem Cousin Pierre Jeanneret (und ein weiteres Haus direkt daneben) geplant hat. Seit Juli 2016 gehören das Doppelhaus und das Einfamilienhaus von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung zum Welterbe der UNESCO. Unter dem Titel „Das architektonische Werk von Le Corbusier – Ein außergewöhnlicher Beitrag zur Moderne“ zählen diese Häuser zusammen mit 16 weiteren Bauensembles Le Corbusiers zu einer transnationalen Welterbestätte. Neben Stuttgart befinden sich die Bauten in Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz (hier mehr).

Die Dame an der Museumskasse bittet uns, unsere Taschen in einem Schließfach zu deponieren, wegen der Wandfarben. Später verstehen wir, was sie meinte. Es gibt in diesem tollen Gebäude teils sehr schmale Flure. 

Als wir die Treppe hinauf zur Dachterrasse kommen, stockt uns der Atem, wir sind richtig geflasht! Das Licht und dieser sagenhafte Blick über ganz Stuttgart (den keine Kamera der Welt jemals so einfangen könnte, wie er in Wirklichkeit ist). Und so ruhig, nur ein paar Vögel zwitschern. 

Ich finde die Details im Haus Le Corbusier so toll. Diese schmalen Fenster, oder die Bakelit-Lichtschalter, die schwarzen Fliesen im Treppenhaus, und die Einbauten, ein Schiebeelement als Raumteiler... Was für eine Inspirationsquelle!

Mir fällt auf, dass unter den ganzen Entwerfern dieser Siedlung keine einzige Frau ist. Dabei sticht mir unter den aufgelisteten Architekten ein Name ins Auge, der mir bekannt vorkommt, weil ich gerade eine Crowdfunding-Kampagne zum Nachdruck eines Buches unterstützt habe (das Buch geht über den Abriss des Marlene Poelzig Hauses in Berlin). In der Riege der 17 Weissenhof-Architekten ist der Ehemann dieser Architektin zu finden: Hans Poelzig. Schade, dass sie nicht an seiner Stelle war. Weitere Entwürfe der Siedlung stammen von Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hans Scharoun, Richard Döcker, Mart Stam, Bruno Taut, Max Taut, Jacobus Johannes Pieter Oud, Josef Frank, Adolf Rading, Adolf Gustav Schneck, Victor Bourgeois und Ludwig Hilberseimer.

Nach dem Museumsbesuch flanieren wir durchs Quartier und schauen uns die noch 11 erhaltenen Häuser an, von denen manche gerade renoviert werden. Der Großteil der ursprünglich 33 Gebäude wurde leider zerstört. Die Nazis wollten sogar damals die komplette Siedlung abreißen lassen.

Alle Häuser, außer dem Haus Le Corbusier, in dem das Weissenhofmuseum sitzt, sind heute von Privatleuten bewohnt. Als wir vor den stechend-blauen Reihenhäusern von Mart Stam stehen, kommt gerade eine Bewohnerin vom Einkaufen zurück. Ein Päärchen spricht sie an: „Sie wohnen hier? Und, wie ist es, in so einem Architekturdenkmal zu wohnen?“ „Ich sag mal so: außen hui innen pfui. Hier wird mehr darauf geachtet, dass es von außen schön aussieht, aber innen ist wird nichts gemacht.“ Und dann erzählt sie, dass manchmal Neugierige direkt vor dem Hauseingang oder mitten im Garten stehen: „Wir haben hier jetzt extra deswegen ein Schild mit 'Privatgrundstück' aufgestellt. Ich hoffe, das nutzt was.“ Die Frau vom Päärchen verständnisvoll: „Ja das glaub ich, manche Menschen sind wirklich distance-los.“ 

Das erinnert mich daran, wie wir damals in einem Reihenhäuschen auf dem Parkhaus-Dach wohnten in der Karlsruher Innenstadt und auch manchmal Gruppen von Architekturstudenten vorbei schwirrten. Ich kann mir schon vorstellen, dass das ab und zu nervig sein kann...

Die Akademie der Bildenden Künste (plus die dazugehörige Mensa), die direkt ums Eck der Siedlung liegt, nehmen wir bei der Gelegenheit auch gleich noch mit. Netter Kontrast. 

Wie immer, wenn ich solche Orte besucht habe, lese ich mich im Nachgang nochmal genauer ein. Diesmal finde ich heraus, dass der Großvater von Max Herre, der Stuttgarter Richard Herre, auch an der Weissenhofsiedlung beteiligt war! Max Herre hat im Jahr 2019 zusammen mit seinem Vater Frank, der ebenfalls Architekt ist, eine Ausstellung in Stuttgart über den Großvater initiiert (leider hab ich die Ausstellung damals verpasst). Auf der Seite des Stadtpalais Stuttgart heißt es dazu u.a.: „Richard Herre ist nicht nur einer der Ideengeber der Ausstellung 'Die Wohnung' des 'Deutschen Werkbundes', in deren Rahmen 1927 auch die Weissenhofsiedlung entstand. Er leistete auch ganz konkret mit der Innenraumgestaltung des Hauses 24 von Max Taut einen künstlerischen Beitrag. 'Mein Opa war wie viele Künstler seiner Zeit interdisziplinär unterwegs', sagt Max Herre zu den Tätigkeiten seines Großvaters als Architekt, Designer, Typograph und Übersetzer einiger Schriften von Le Corbusier. 'Weg von Ornamenten, hin zur Funktionalität, reiner Form und Sachlichkeit', beschreibt der Sänger und Produzent die Arbeiten seines Großvaters.“ Spannend!

In 2027 wird die Siedlung ihr 100-jähriges Jubiläum feiern. Wahnsinn. Vielleicht muss ich da nochmal hin. Hab ich schon gesagt, wie großartig ich es dort finde? 

...

Ich habe einige Informationen über die Siedlung aus dem Flyer und der Homepage zusammengetragen:

Das Doppelhaus, in dem das Museum untergebracht ist, wurde 1927 von Le Corbusier und Pierre Jeanneret für die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ errichtet (hier zum Plakat von 1927, das im MoMa zu finden ist und von Willi Baumeister gestaltet wurde). Seit 2006 steht das Gebäude der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung. Der Rundgang in dem ehemaligen Wohngebäude führt durch zwei Haushälften, die unterschiedlichen Schwerpunkten gewidmet sind.

Die linke Haushälfte dient der Information über die Entstehung und Geschichte der Weissenhofsiedlung. Der Rundgang in der Ausstellung ist chronologisch geordnet und umfasst den Zeitraum von 1907 bis heute. Die Innenräume wurden seit den 1930er Jahren tiefgreifend verändert, verbliebene Teile von Umbauten der 1960er Jahre sowie Befunde an die Wand und Boden erinnern an die wechselvolle Geschichte des Hauses. Die Ausstellungsgestaltung entstand als „Echo“ auf den ursprünglichen Grundriss. Gläserne Einbauten mit Informationsvitrinen bilden einen Kontrast zur vorgefundenen Situation und überlagern die Originalsubstanz sowie spätere Umbauten. 

Die Räume der rechten Haushälfte zeigen sich weitgehend in ihrer Gestalt von 1927. Le Corbusiers Entwurf eines „transformablen Hauses“ konnte wiederhergestellt werden. Besucherinnen und Besucher gewinnen so einen Eindruck von der Werkbundausstellung 1927. Die Farbgebung im ganzen Haus entstand auf der Grundlage restauratorischer Befunde. Auch die Einrichtungsgegenstände konnten nach Originalunterlagen rekonstruiert werden. Die ursprüngliche Inneneinrichtung war durch mehrere Umbauten bereits ab 1932/33 verloren gegangen, bei einer ersten Gebäudesanierung 1983/84 jedoch teilweise rekonstruiert werden.

Zwei Partner, die Stadt Stuttgart und der Deutsche Werkbund, suchen neue Lösungen zur Bekämpfung der Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg und bereiten eine experimentelle Siedlung am Weissenhof vor.

Die Weissenhofsiedlung wird nach einer langwierigen Architektenauswahl in kürzester Zeit realisiert. Grundlage ist der städtebauliche Plan von Ludwig Mies van der Rohe. In einer Wandecke ist die ursprüngliche blaue Farbe konserviert. 

Rund 500.000 Besucher kommen 1927 zur Bauausstellung am Weissenhof und zu drei weiteren Ausstellungsbereichen, die neue Architektur, neue Wohnungseinrichtungen und neue Baumethoden präsentieren. 

Für die Hallenausstellung entsteht 1927 ein Prototyp des „Barcelona-Pavillons“, den Mies van der Rohe auf der Weltausstellung 1929 realisiert.

Die Weissenhofsiedlung polarisiert zwischen Avantgarde und Traditionalismus. Nach Verfemung im Dritten Reich und späterer Vernachlässigung ist die Weissenhofsiedlung heute als herausragendes Baudenkmal der Moderne unumstritten.