Samstag, 18. April 2026

Blick zurück

Gesehen I die letzten drei Folgen von „Love Story“, einer Serie über die Geschichte von John F. Kennedy Jr. und Carolyn Bessette. L und P haben damit angefangen und mich irgendwann angesteckt. Gute Serie, sehr traurig auch, und sehr gut ausgestattet. Ob das Loft in Tribeca in echt wirklich so toll aussah? Hier ein Bericht auf AD über das Set-Design
Gesehen II einen Dan Flavin für Arme an einem Pizza-Imbiss
Gesehen III interessante Lichtspiele an meinem Vorhang (das kommt durch die kleine rote Folie, die noch immer am Fenster hängt)
Getan I mich mit den Mädchen im Park auf der Wiese verabredet. Sie sind zu Fuß hingeschlendert und ich kam mit dem Rad vorbei. Immer nimmt man sich was zum Lesen mit und kommt dann doch nicht dazu vor lauter Quatschen. Aber das ist auch so schön
Getan II eine kleine Radtour gemacht zum Alten Flugplatz. Ich liebe es, dass es eine so große unbebaute Fläche hier in der Stadt gibt. Und hab mich gefragt, wer wohl größer ist — die Theresienwiese in München oder der Alte Flugplatz Karlsruhe, hehe. Interessante Erkenntnis: der Alte Flugplatz ist 97 Fußballfelder groß, die Theresienwiese 59 (zuerst war sich die KI wohl nicht ganz sicher — sehr widersprüchliche Antwort, haha). Und ich mag, dass beim Flugplatz u.a. das Steppenbienchen heimisch ist. Was für ein süßer Ausdruck
Getan III eine Fahnenhissung an der Kunstakademie besucht. An der Villa Schönleber ist ein Mast, der bisher ungenutzt war. Jetzt hat man beschlossen, dass dort jedes Semester ein Kunststudent eine Fahne gestalten darf. Großartige Idee. Ich liebe Kunst aus Stoff (und die Villen dort in der Gegend!)
Gelesen in meinem kleinen Ostergeschenk an mich selbst: das Buch „Haus Marlene Poelzig, Berlin — Abriss und Aufbruch“. So ein tolles Werk (Empfehlung!)! „Die Geschichte des Haus Marlene Poelzig in Berlin ist auch die Geschichte einer vergessenen Architektin, Bildhauerin und Designerin, die es verdient, wiederentdeckt zu werden. Ein fiktiver Spaziergang durch das Haus rahmt Essays verschiedener Autoren zur Urheberschaft, Architektur, Archivarbeit, Denkmalschutz und Protestkultur.“ Was für eine Schande, dass sie dieses Haus abgerissen haben! Im Klappentext heißt es: „Gerade weil das Bauwerk trotz aller Bemühungen und der Unterstützung einer breiten Öffentlichkeit der Macht von Geld und Bagger zum Opfer fiel, möchte die Initiative mit diesem Buch die Erinnerung an das Haus wachhalten, ein Zeichen für die Wertschätzung von Marlene Poelzigs Werk setzen und weiterhin Impulse für Gleichberechtigung in Bauwesen und Baukultur, für Transformationen im Denkmalschutz und für eine neue Umbaukultur geben.“ (Und lustig, dass es früher eine „Baupolizei“ gab!) Wie kreativ Marlene Poelzig war — in vielen Bereichen. Ihre Leuchten für das Haus des Rundfunks in Berlin-Charlottenburg oder ihre Lichtsäulen im Foyer des Großen Schauspielhaus Berlin, ihre Möbel, die heute noch in der Wohnung ihrer Töchter stehen... Und ich mag, dass sich Hans und Marlene Poelzig so viele Briefe* geschrieben haben (sein doppeltes „liebste“ am Anfang und das „etc“ am Schluss gefällt mir besonders). Da hab ich gleich mal Ps Mitbringsel aus Paris eingeweiht (Bloc de Correspondance) und ihr einen Brief nach Heidelberg geschickt. Zwei Monate Semesterferien zuhause sind nun um und ich vermisse sie schon jetzt. Gerade hat sie erfahren, wie ihre US-Austauschstudentin heißt (wie sie mit zweitem Vornamen!). P: „Rate mal, woher sie kommt?“ Ich: „Hm, Houston/Texas?“ P: „Woher weißt du das??????“ „Geraten!“ Krasser Zufall!!
Getrunken mein erstes Paulaner Cola. Ich bleibe lieber bei Coca Cola oder Pepsi, hehe
Gegessen das erste Eis der Saison
Gelacht als ich alte Zeichnungen von mir im Keller bei meinen Eltern entdecke. Alle so aus der Grundschul-/frühe Gymizeit. Süß. Das dunkle ist eine große Röntgenaufnahme aus Papas Praxis, da haben wir beide experimentiert mit einem Edelstahl-Topf. Ein Steckbrief aus der 5. Klasse gibt Auskunft, dass ich schon früher auf hübsche Autos stand — unter „Lieblingsautos“ hab ich in der 5. Klasse geschrieben: Mercedes, BMW, Porsche. Funny war auch mein Humor von damals: In einem Comic über einen Zahnarztbesuch sagt am Schluss der Zahnarzt hinter dem Zanotta-Schreibtisch (wie der von Papa damals, hier) zum jungen Patienten: „Nimm dir gerne ein Bonbon zur Belohnung.“ — während der kleine Patient ein dickes rotes Fragezeichen über dem Kopf hat. Und über dem Kopf des Zahnarztes steht in einer Denkblase: „Damit mir auch nicht die Kundschaft ausgeht.“ LOL
Gefreut I über Blütenpracht in anderen Gärten
Gefreut II über eine einzelne Kornblume auf meinem Balkon. Die muss sich vom letzten Sommer rüber gerettet haben
Gefreut III dass die Glyzinie toll sprießt und langsam rankt, auch am Balkon. Ich hatte mir eine Schote aus dem Garten meiner Eltern mit genommen und einen Samen daraus hier eingepflanzt — hat funktioniert
Gefreut IV dass es in meiner alten Heimat nice Flachdachhäuser gibt. Gleich mal fotografisch festgehalten. In der Ecke bin ich normalerweise nicht so oft
Geärgert dass ich mein Handy zu lange in der Sonne liegen lassen hab
Gerätselt immer noch Wordle auf Süddeutsche.de, jeden Tag
Gekauft zwei „Mäuse“ für L & K

Schönes Wochenende!


*Brief von Hans Poelzig an Marlene:

Liebste liebste Ma!

Ich sehne mich — das muss dir genug sein. Was soll ich ohne dich anfangen? — Zunächst die Säule, ich will einverstanden sein, trotz mancher Bedenken, dass sie zu schwer wird. Darüber hast du ja schon ein Telegramm erhalten, falls der Brief nicht beinahe früher kommt. Hier weiß ich nicht, was ich tun soll, auf dem Amt langweile ich mich kaputt. Wegen der Grabsteine sende ich dir einen Brief, in dem steht, wohin die Dinger ausgeliefert werden sollen. Koppel hat wieder geschrieben und ich habe mich auf seine Mahnung hin entschlossen, sobald als möglich nach Köln und Bonn zu fahren. Es ist für die Zukunft vielleicht wichtig, denn was soll ich eigentlich in Dresden? Es ist so dumm, dass so was immer wieder dazwischen kommt. Ich bin ohne dich fahrig, wild, ohne Gleichmaß, habe zu nichts große Lust. Was hast du, liebes Kind, aus mir gemacht? Also, bleib wohl, schlafe aus, Dienstag komme ich Vormittag.

Tausend Grüße Küsse etc.
dein Hans


































Samstag, 11. April 2026

Blick zurück

Gesehen Neapel — Stadt der Künste in der ARD Mediathek. Ich wusste gar nicht, dass Neapel früher die drittgrößte Stadt in Europa war, nach London und Paris und dass dort eine große Kunstszene war... Die „Neapoletanische Malerei“ bezeichnet eine eigene Kunstrichtung in der Malerei (16. bis 18. Jahrhundert)! Und dieses Pompeji — so faszinierend! Ein sympathischer Deutscher, Gabriel Zuchtriegel, leitet seit 2021 diese Wahnsinns-Ausgrabungsstätte. Ich finde so krass, dass 79 n. Chr. diese Stadt durch den Ausbruch des Vesuvs begraben wurde und trotzdem heute noch wunderschöne Fresken an den Wänden zu sehen sind — damals habe man die Wände immer wieder neu übermalt, so wie man heute Tapeten wechsele, sagte der Direktor. Pompeji wurde im 18. Jahrhundert wieder entdeckt. Soo interessant
Gehört und seeehr gelacht, als K ins Bad verschwindet und aus der Box „Robin S — Show Me Love“ dröhnt. Ich dann zu L: „Hahaha, das ist ja voll das alte Lied! Das haben wir früher gehört. Woher kennt ihr das? Von TikTok??“ „Jaa.“ Der Song ist von 1993!!
Getan I endlich meinen neuen Führerschein abgeholt — längst überfällig (hier zu den Fristen für den Führerscheintausch). Aber ich wurde in meinem ganzen Leben bisher ein Mal kontrolliert. Das war, als ich über eine „rote“ Ampel gefahren bin, vor Jahrzehnten. Ich war auf dem Weg zur Berufsschule nach Karlsruhe und wurde von einem Polizeimotorrad herausgezogen. Danach sah ich den Polizisten vor Gericht wieder — er behauptete, die Ampel sei rot gewesen; ich war der Meinung, sie war orange. Aussage gegen Aussage, hehe. Der Richter fragte mich ganz am Anfang der Verhandlung: „Als erstes muss ich Sie fragen, wie alt Sie sind? Sie sehen so jung aus und ich bin erst für Menschen ab 21 zuständig.“ Das war lustig. Er hat dann einen okayen Kompromiss gefunden
Gelesen über Mark Twain, hier. Mein Papa hat uns nämlich ein Buch namens „Bummel durch Deutschland“ von Mark Twain zukommen lassen, in dem es u.a. um seinen Aufenthalt in Heidelberg geht. Ich hatte keine Ahnung, dass Mark Twain dort eine Zeit lebte — und dass er diese Stadt so liebte. Im Buch heißt es: „Man sagt sich, dass Heidelberg bei Tag die äußerste Möglichkeit des Schönen darstellt.“ Im Zuge einer eingehenderen Recherche bin ich dann auf die Homepage oben gestoßen. Am besten gefällt mir, wie humorvoll Mark Twain scheinbar war. Er hatte außerdem ein ambivalentes Verhältnis zur deutschen Sprache, haha„…went down to Mannheim to see King Lear played in German. It was a mistake.“ oder „My philological studies have satisfied me that a gifted person ought to learn English (…) in 30 hours, French in 30 days, and German in 30 years.“ oder „Some German words are so long that they have a perspective. Observe these examples: Freundschaftsbezeigungen. Dilettantenaufdringlichkeiten. Stadtverordnetenversammlungen. These things are not words, they are alphabetical processions.“ 
Getan II K bei der ersten Steuererklärung seines Lebens geholfen
Getrunken einen Latte Macchiato am Rhein (warum hat man eigentlich auf Fotos so oft die Augen zu? L ja auch)
Gegessen Auszogne. Auf vielfachen Wunsch einer Einzelnen (hier L) hab ich die mal wieder gemacht. In letzter Zeit lag sie mir oft in den Ohren: „Wann machst du wieder Auszogne??“. Als ich gerade am Werkeln bin, kommt K in die Küche. „Was machst du da?“ Ich: „Auszogne.“ K: „Wie?“ „Auszogne. Weißt du nicht mehr, was das ist?“ „Nee.“ Scheinbar haben die nur bei L so großen Eindruck hinterlassen, haha
Gelacht über heutige Kommunikationstechniken. P ist im besagten Club in Paris (siehe Gestaunt) und steht auf dem Dancefloor. Da kommt ein Franzose an und sagt zu ihr: „T’es magnifique!“ (ja er sagte es genauso, abgekürzt, ohne das u nach dem t) und sie dann: „Merci“ Der Junge will ein Gespräch auf Französisch beginnen, aber P versteht nicht viel: „Je suis allemand.“ Da zückt der Junge sein Handy und benutzt für seine weitere Kommunikation die Übersetzer-App, lol
Gefreut I über Mitbringsel und weitere Fotos aus Paris. P kennt mich gut. Sie weiß, dass ich mich über einen ganz normalen Schreibblock oder über Kunstkärtchen mehr freue als über irgendwelche Standardsouvenirs. An einem Tag schrieb sie mir von dort: „Kennst du Henri Rousseau?“ „Ja, warum? Dessen Dschungelbilder haben wir im Kunstunterricht durchgenommen.“ „Ich schaue mir gerade eine Ausstellung von ihm an im Musée l’Orangerie.“ Awww. Allein der Ausstellungsflyer, den sie vom Museum mitbrachte, ist top. (Bei der Evian-Flasche fragte sie mich das gleiche: „Kennst du Jeff Koons?“ „Jaaa natürlich!“ und L klinkt sich ein: „Ich mag seine Kunst.“) „Für Sehenswürdigkeiten hab ich genau 0 EUR ausgegeben. In die ganzen Kirchen und Museen kommst du umsonst rein. Ich hab eigentlich nur Geld für Essen gebraucht. Am letzten Tag hab ich mich mal überwunden, auf französisch zu bestellen: 'Je voudrais un pain au chocolat et un croissant, s’il vous plaît' und die Frau hinter der Theke zeigt null Regung, sagt einfach nichts, sagt noch nicht mal den Preis. Wie arrogant kann man sein? Sollen sie doch froh sein, dass jemand Respekt hat und versucht, in ihrer Landessprache zu kommunizieren. Ich verstehe es nicht.“ 
Gefreut II über ein Bouquet Blümchen für den Balkon von meiner Mama. So eine schöne Oster-Tradition <3 Und diesmal sind alle Blümchen weiß — oder im Jargon meiner Kinder „clean“, hehe. Mir war neu, dass es weiße Vergissmeinnicht und weiße Veilchen gibt! 
Gefreut III über die Lichtreflexe meiner Armreifen, als ich auf dem Balkon in der Sonne sitze und mein Buch von Arno Rink zu Ende lese. Ich bin immer traurig, wenn ein gutes Buch endet. Diesmal auch. Auch wenn es sehr, sehr traurig war (Depressionen plus Krebs — was manche Menschen aushalten müssen, ist schlimm)
Geärgert dass ausgerechnet bei wichtigen, eiligen Drucksachen der Toner streikt. Ja, jemandem zu sagen, dass man ihn liebt, ist wichtig. Sehr wichtig
Gestaunt I über Pizza-Preise in Paris. P: „Wir waren ein Mal Pizza essen. Eine Pizza hat 25 EUR gekostet.“ 
Gestaunt II dass es keine nicht-alkoholischen Getränke gibt in dem Club, den P in Paris besucht hat (Duplex heißt der, von dort stammt auch der Shot-Gutschein auf dem Souvenir-Foto). P: „Ich trinke ja keinen Alkohol mehr und ich wollte mir an der Bar ein Cola bestellen. Das gab es da nicht! Dann hab ich gesagt, ich möchte ein Wasser — und selbst das gab es nicht!! Die haben mir einfach einen Becher gegeben und damit sollte ich zur Toilette gehen und mir Wasser vom Hahn holen!! Immerhin war das kostenlos, hahaha.“ „Wie bitte?? Und schmeckt das Leitungswasser da auch so nach Chlor, so wie in den USA?“ „Jaaa.“ Oh nooo
Gelernt wie Handtücher auf Französisch heißen. P meint: „Die heißen serviettes. Meine französische Freundin sagt immer zu mir auf deutsch, wenn sie ein Handtuch holt: Ich brauche eine Serviette.“ Wie süß
Gekauft einen Gedichtband* von Cees Nooteboom (bei der Unterschrift hab ich erst überlegt, ob die gedruckt ist oder echt. Ich fürchte, ersteres). So lustig, wie in niederländischen Namen oft diese Doppelvokale vorkommen. Die Mutter eines ehemaligen Klassenkameraden von K hieß Roos, der Sohn Daan. Der Sohn meiner Freundin heißt mit zweitem Vornamen Jaap. Cool

Schönes Wochenende!

*Selbst

So gefestigt in seiner Einsamkeit
wie ein Schiffswrack aus Bronze gegossen,

so betrachtet er die Glücklichen 
auf ihren ewigen Feldern 
am Ende eines Alls.

Andere Menschen in einer abwesenden Welt, 
in der seine Gesten nicht gelten, 
seine Worte nicht wahr sind.

Wo er lebt, dort heißen die Dinge anders, 
da kauft man seine Genesung mit Geld, 
das man selber herstellt aus Stroh und 
aus Tränen.

Dort wollen die Kreise nicht rund sein, 
die Zahlen nicht brechen.

Dort beschließt man das Ende von

Selbst.