Mittwoch, 18. März 2026

Architektur-Attraktion: Die Weissenhofsiedlung in Stuttgart

P und ich erreichen die Weissenhofsiedlung Stuttgart an einem sonnig-kühlen Tag. Unseren Wagen parken wir vor einem Haus von Peter BehrensDie Faszination beginnt sofort und wird gespeist aus zwei Komponenten: a) die Höhenlage und b) die Architektur. Was für eine unschlagbare Kombi! Ich war früher so oft in Stuttgart, in allen möglichen Museen, Shops, Clubs — aber nie hab ich mir die Weissenhofsiedlung angesehen. Warum nur? 

Viele bekannte Namen sind unter den 17 Architekten, die diese großartige Siedlung entworfen haben. Allen voran Le Corbusier, der das Doppelhaus, in dem heute das Weissenhofmuseum untergebracht ist, zusammen mit seinem Cousin Pierre Jeanneret (und ein weiteres Haus direkt daneben) geplant hat. Seit Juli 2016 gehören das Doppelhaus und das Einfamilienhaus von Le Corbusier in der Weissenhofsiedlung zum Welterbe der UNESCO. Unter dem Titel „Das architektonische Werk von Le Corbusier – Ein außergewöhnlicher Beitrag zur Moderne“ zählen diese Häuser zusammen mit 16 weiteren Bauensembles Le Corbusiers zu einer transnationalen Welterbestätte. Neben Stuttgart befinden sich die Bauten in Argentinien, Belgien, Frankreich, Indien, Japan und der Schweiz (hier mehr).

Die Dame an der Museumskasse bittet uns, unsere Taschen in einem Schließfach zu deponieren, wegen der Wandfarben. Später verstehen wir, was sie meinte. Es gibt in diesem tollen Gebäude teils sehr schmale Flure. 

Als wir die Treppe hinauf zur Dachterrasse kommen, stockt uns der Atem, wir sind richtig geflasht! Das Licht und dieser sagenhafte Blick über ganz Stuttgart (den keine Kamera der Welt jemals so einfangen könnte, wie er in Wirklichkeit ist). Und so ruhig, nur ein paar Vögel zwitschern. 

Ich finde die Details im Haus Le Corbusier so toll. Diese schmalen Fenster, oder die Bakelit-Lichtschalter, die schwarzen Fliesen im Treppenhaus, und die Einbauten, ein Schiebeelement als Raumteiler... Was für eine Inspirationsquelle!

Mir fällt auf, dass unter den ganzen Entwerfern dieser Siedlung keine einzige Frau ist. Dabei sticht mir unter den aufgelisteten Architekten ein Name ins Auge, der mir bekannt vorkommt, weil ich gerade eine Crowdfunding-Kampagne zum Nachdruck eines Buches unterstützt habe (das Buch geht über den Abriss des Marlene Poelzig Hauses in Berlin). In der Riege der 17 Weissenhof-Architekten ist der Ehemann dieser Architektin zu finden: Hans Poelzig. Schade, dass sie nicht an seiner Stelle war. Weitere Entwürfe der Siedlung stammen von Ludwig Mies van der Rohe, Walter Gropius, Hans Scharoun, Richard Döcker, Mart Stam, Bruno Taut, Max Taut, Jacobus Johannes Pieter Oud, Josef Frank, Adolf Rading, Adolf Gustav Schneck, Victor Bourgeois und Ludwig Hilberseimer.

Nach dem Museumsbesuch flanieren wir durchs Quartier und schauen uns die noch 11 erhaltenen Häuser an, von denen manche gerade renoviert werden. Der Großteil der ursprünglich 33 Gebäude wurde leider zerstört. Die Nazis wollten sogar damals die komplette Siedlung abreißen lassen.

Alle Häuser, außer dem Haus Le Corbusier, in dem das Weissenhofmuseum sitzt, sind heute von Privatleuten bewohnt. Als wir vor den stechend-blauen Reihenhäusern von Mart Stam stehen, kommt gerade eine Bewohnerin vom Einkaufen zurück. Ein Päärchen spricht sie an: „Sie wohnen hier? Und, wie ist es, in so einem Architekturdenkmal zu wohnen?“ „Ich sag mal so: außen hui innen pfui. Hier wird mehr darauf geachtet, dass es von außen schön aussieht, aber innen ist wird nichts gemacht.“ Und dann erzählt sie, dass manchmal Neugierige direkt vor dem Hauseingang oder mitten im Garten stehen: „Wir haben hier jetzt extra deswegen ein Schild mit 'Privatgrundstück' aufgestellt. Ich hoffe, das nutzt was.“ Die Frau vom Päärchen verständnisvoll: „Ja das glaub ich, manche Menschen sind wirklich distance-los.“ 

Das erinnert mich daran, wie wir damals in einem Reihenhäuschen auf dem Parkhaus-Dach wohnten in der Karlsruher Innenstadt und auch manchmal Gruppen von Architekturstudenten vorbei schwirrten. Ich kann mir schon vorstellen, dass das ab und zu nervig sein kann...

Die Akademie der Bildenden Künste (plus die dazugehörige Mensa), die direkt ums Eck der Siedlung liegt, nehmen wir bei der Gelegenheit auch gleich noch mit. Netter Kontrast. 

Wie immer, wenn ich solche Orte besucht habe, lese ich mich im Nachgang nochmal genauer ein. Diesmal finde ich heraus, dass der Großvater von Max Herre, der Stuttgarter Richard Herre, auch an der Weissenhofsiedlung beteiligt war! Max Herre hat im Jahr 2019 zusammen mit seinem Vater Frank, der ebenfalls Architekt ist, eine Ausstellung in Stuttgart über den Großvater initiiert (leider hab ich die Ausstellung damals verpasst). Auf der Seite des Stadtpalais Stuttgart heißt es dazu u.a.: „Richard Herre ist nicht nur einer der Ideengeber der Ausstellung 'Die Wohnung' des 'Deutschen Werkbundes', in deren Rahmen 1927 auch die Weissenhofsiedlung entstand. Er leistete auch ganz konkret mit der Innenraumgestaltung des Hauses 24 von Max Taut einen künstlerischen Beitrag. 'Mein Opa war wie viele Künstler seiner Zeit interdisziplinär unterwegs', sagt Max Herre zu den Tätigkeiten seines Großvaters als Architekt, Designer, Typograph und Übersetzer einiger Schriften von Le Corbusier. 'Weg von Ornamenten, hin zur Funktionalität, reiner Form und Sachlichkeit', beschreibt der Sänger und Produzent die Arbeiten seines Großvaters.“ Spannend!

In 2027 wird die Siedlung ihr 100-jähriges Jubiläum feiern. Wahnsinn. Vielleicht muss ich da nochmal hin. Hab ich schon gesagt, wie großartig ich es dort finde? 

...

Ich habe einige Informationen über die Siedlung aus dem Flyer und der Homepage zusammengetragen:

Das Doppelhaus, in dem das Museum untergebracht ist, wurde 1927 von Le Corbusier und Pierre Jeanneret für die Werkbundausstellung „Die Wohnung“ errichtet (hier zum Plakat von 1927, das im MoMa zu finden ist und von Willi Baumeister gestaltet wurde). Seit 2006 steht das Gebäude der Öffentlichkeit als Museum zur Verfügung. Der Rundgang in dem ehemaligen Wohngebäude führt durch zwei Haushälften, die unterschiedlichen Schwerpunkten gewidmet sind.

Die linke Haushälfte dient der Information über die Entstehung und Geschichte der Weissenhofsiedlung. Der Rundgang in der Ausstellung ist chronologisch geordnet und umfasst den Zeitraum von 1907 bis heute. Die Innenräume wurden seit den 1930er Jahren tiefgreifend verändert, verbliebene Teile von Umbauten der 1960er Jahre sowie Befunde an die Wand und Boden erinnern an die wechselvolle Geschichte des Hauses. Die Ausstellungsgestaltung entstand als „Echo“ auf den ursprünglichen Grundriss. Gläserne Einbauten mit Informationsvitrinen bilden einen Kontrast zur vorgefundenen Situation und überlagern die Originalsubstanz sowie spätere Umbauten. 

Die Räume der rechten Haushälfte zeigen sich weitgehend in ihrer Gestalt von 1927. Le Corbusiers Entwurf eines „transformablen Hauses“ konnte wiederhergestellt werden. Besucherinnen und Besucher gewinnen so einen Eindruck von der Werkbundausstellung 1927. Die Farbgebung im ganzen Haus entstand auf der Grundlage restauratorischer Befunde. Auch die Einrichtungsgegenstände konnten nach Originalunterlagen rekonstruiert werden. Die ursprüngliche Inneneinrichtung war durch mehrere Umbauten bereits ab 1932/33 verloren gegangen, bei einer ersten Gebäudesanierung 1983/84 jedoch teilweise rekonstruiert werden.

Zwei Partner, die Stadt Stuttgart und der Deutsche Werkbund, suchen neue Lösungen zur Bekämpfung der Wohnungsnot nach dem ersten Weltkrieg und bereiten eine experimentelle Siedlung am Weissenhof vor.

Die Weissenhofsiedlung wird nach einer langwierigen Architektenauswahl in kürzester Zeit realisiert. Grundlage ist der städtebauliche Plan von Ludwig Mies van der Rohe. In einer Wandecke ist die ursprüngliche blaue Farbe konserviert. 

Rund 500.000 Besucher kommen 1927 zur Bauausstellung am Weissenhof und zu drei weiteren Ausstellungsbereichen, die neue Architektur, neue Wohnungseinrichtungen und neue Baumethoden präsentieren. 

Für die Hallenausstellung entsteht 1927 ein Prototyp des „Barcelona-Pavillons“, den Mies van der Rohe auf der Weltausstellung 1929 realisiert.

Die Weissenhofsiedlung polarisiert zwischen Avantgarde und Traditionalismus. Nach Verfemung im Dritten Reich und späterer Vernachlässigung ist die Weissenhofsiedlung heute als herausragendes Baudenkmal der Moderne unumstritten.






















































Samstag, 14. März 2026

Blick zurück

Gesehen I einen schönen Film in der arte Mediathek über ein tolles Künstlerhaus: „Häuser der Kunst — Gabriele Münter und ihr Haus in Murnau“. Mein Besuch in diesem wunderschönen Haus liegt schon etliche Jahre zurück. Ich muss da unbedingt mal wieder hin! Beeindruckt hat mich damals, dass sogar Treppengeländer und Schränke verziert und bemalt waren. Ich wusste gar nicht mehr, dass Gabriele Münter ihre Werke, wie auch einige von Kandinsky und weiteren Mitgliedern des Blauen Reiters vor den Nazis rettete, indem sie in ihrem Keller einen Verschlag baute und dort die Bilder versteckte. Spannend! Zu ihrem 80. Geburtstag hat Münter diesen Schatz dem Lenbachhaus München vermacht. Wie passend, dass das Lenbachhaus vergangenen Dienstag die Ausstellung „Über die Welt hinaus. Der Blaue Reiter“ eröffnet hat. Das Lenbachhaus besitzt die weltweit größte Sammlung dieser Künstlervereinigung. Als die kleine P mal mit den Großeltern Urlaub in Garmisch machte und sie gemeinsam das Münterhaus besuchten, schickte sie mir eine Karte von dort. Das weiß ich noch — weil die Karte ein Motiv aus kleinen Glasperlchen zeigte, was mich faszinierte (hier das Motiv)
Gesehen II einen Film in der BR-Mediathek über den kultigen Taxler aus München, den ich schon so oft auf Insta gesehen habe: „Cissé“. Nettes Portrait. So funny, wie er bayerisch redet
Getan I diverse Radtouren gemacht, u.a. zur Dammerstocksiedlung. Es ist so cool dort (ich freue mich schon, wenn hoffentlich bald „Das Dammerstock“ öffnet — da wird immer fleißig gearbeitet für die Wiedereröffnung dieses Lokals). Schade, dass die Siedlung so bisschen verkommt... Die Häuser sind so super! Ich finde toll, dass wir hier in Karlsruhe so eine Siedlung haben. Wenn man überlegt, dass die fast 100 Jahre alt ist — und wie modern! Ich liebe alles daran. Papa ist ganz meiner Meinung
Getan II mit P eine Ausfahrt nach Stuggi unternommen, um endlich, endlich mal die Weissenhofsiedlung zu besuchen. Warum hab ich das nicht schon viel früher getan? Eigentlich wollte ich hier heute die Bilder zeigen — aber ich habe überlegt, dass ich dieser wunderbaren Siedlung einen eigenen Post widmen möchte. Also demnächst mehr...
Gelesen immer noch und immer wieder in Arno Rinks Buch (s. letzter Blick zurück) und mitgelitten. Diese vielen berührenden, melancholischen Einträge*. Das mit den Milliarden hab ich auch schon so oft gedacht. Diese Ungerechtigkeit
Getrunken den ersten Iced Latte meines Lebens im Café Winter mit P. Wir wollten uns das Cage Kunstwerk in der Evangelischen Stadtkirche anschauen — dann steht dort „montags geschlossen“, oh nooo. Wir sind nach dieser Ernüchterung einfach ein bisschen in dieser Ecke da herumspaziert und haben uns zwei Kaffees im Freien genehmigt. Ich hab P meine alte Grundschule (wie ich mir vorstelle, dass ich da vor vielen Jahrzehnten als kleine Erstklässlerin durch diese dunkelgrüne, schöne Tür marschiert bin) gezeigt — und meine Berufsschule. Und wir haben einen Space entdeckt mit so schönen Dingen wie Sesseln von Dieter Rams, Wassily Chairs und hübschen Leuchten. Ich muss nochmal da hin und herausfinden, was das genau ist
Gegessen ein Stückchen wahnsinnig leckeren Lotus Cheesecake, den L und K unverhofft eines Tages, direkt nachdem sie aus der Schule kamen, zubereitet haben (das Rezept hatten sie auf TikTok entdeckt und mir dann Anweisungen für meinen Wocheneinkauf gegeben, haha). So was von guat
Gelacht als ich da so im Dammerstock staunend mein Rad durch die Straßen schiebe, komme ich an einer Garage vorbei... Sie ist halb geöffnet, Musik dringt heraus. Ich schaue genauer hin und sehe, wie ein junger Typ auf einem Barber-Stuhl sitzt und von einem anderen die Haare geschnitten kriegt. Sweet. Das musste ich gleich K schicken — er hat auch ein paar Kollegen, die Keller- oder Garagenfriseursalons betreiben, hehe
Gefreut I dass selbst die abgefallenen Blütenblätter der Tulpen gut aussehen auf dem Tisch
Gefreut II über einen sehr schönen Spruch des Tages in der Familiengruppe
Geärgert über das falsche Presseerzeugnis im „Angebot“. Ich sitze gerade im Park auf einer Bank, mein Rad neben mir, die plätschernde Alb und ein weiß blühender Baum vor mir, auf meinem Schoß einen Block zum Schreiben, als ein Mann vorbei kommt und mich anspricht: „Hallo! Würden Sie sich über eine Zeitung freuen?“ Ich stutze kurz, mustere die Zeitung, die er in seiner Hand hält, und sage dann: „Oh, nein danke.“ Er hatte die „Welt“ bei sich und Springerpresse geht halt gar nicht für mich. Eine Süddeutsche hätte ich sofort genommen. Eigentlich eine nice Idee, ausgelesene Zeitungen weiterzugeben...
Gestaunt was K alles weiß. Wir sitzen zusammen im Auto, ich hinterm Steuer. Als ich um die Kurve fahre und es bissl ruckelt, moniert K: „Pass auf, gleich geht er wieder aus.“ „Nee, nee ich hab das Auto im Griff.“ Da lacht er. Aber ich habe ein anderes Anliegen: „Manchmal hab ich bei diesem Wagen beim Runterschalten bissl das Gefühl, dass er noch zu hoch dreht. Das ist mir früher nie passiert.“ K hat wie immer die Lösung: „Du musst Rev-matching machen.“ „Hö, was ist das denn??“ Und dann erklärt er mir mit seinen Worten, was Google so erklärt: „Rev-Matching (Drehzahlanpassung) ist eine Technik beim Herunterschalten in manuellen Getrieben, bei der durch einen kurzen Gasstoß (Zwischengas) die Motordrehzahl an die höhere Getriebedrehzahl des niedrigeren Gangs angeglichen wird. Dies verhindert ruckartige Lastwechsel, schont Kupplung und Antriebsstrategie und erhöht die Fahrstabilität“. Ahaaa, ich versuch das mal, haha. Oder beim nächsten Wagen gleich Automatik nehmen?!
Gewundert dass unser  deutsches Wort „Spielfeld“ (aus dem Sport) unterschiedliche Begriffe im Englischen hat. Ich denke laut nach, weil ich ja gerade dieses supergute Buch von Arno Rink lese: „Arno ist ein cooler Name, wie dieser italienische Fluss. Und Rink klingt irgendwie englisch. Wie sink, das Waschbecken. Könnte rink im Englischen auch was bedeuten?“ P klinkt sich ein: „Jaa! Das ist der Begriff für das Eishockeyfeld, das heißt rink!“ „Ohaaa. Das hab ich noch nie gehört.“ P weiter: „Interessant ist, dass im Englischen die Spielfelder unterschiedliche Namen haben. Also rink beim Eishockey. Field bei Fußball oder Football. Und court beim Basketball.“ Wie gut, dass ich Kinder habe, so lerne ich niemals aus
Gelernt I noch eine neue englische Begrifflichkeit von meinem Englisch-Käpsele. Ich weiß gar nicht mehr, um welches Thema es ging, jedenfalls machte ich einen kurzen, genervten Schnauf-Laut und P fragte: „What are you huffing and puffing about?“ Allein dieser Spruch hat den kleinen Anflug von Unmut sofort beseitigt, hahaha. Was für ein witziger Ausdruck
Gelernt II dass Blu nicht gleich Blue ist, das hab ich mich nämlich gefragt, als ich das „BLU“-Kennzeichen gesehen habe
Gekauft Biscoff Creme für Ls vorzüglichen Lotus Cheese Cake

Schönes Wochenende!

*Auszüge aus Arno Rinks Tagebuch:

Montag, 19. April 1999
Draußen ist der Himmel klar, voller Sterne. Es wird diese Nacht wieder Frost geben. Alles ist schon wieder durcheinander und in seinem Wachstum behindert. Künstlerische Arbeit findet so gut wie nicht statt. Ich weiß auch nicht, ob das jemals wieder wird. Ich möchte zwar immer, aber es ist rein theoretisch, wie so vieles andere auch. Es kann doch nicht sein, dass ein Mangel an diesem scheiß Serotonin mich jahrelang so macht, wie ich bin. Auf den Mars fliegen und solchen Scheiß, das geht, aber in den Kopf, da ist Schluss.

Dienstag, 20. April 1999
Ich hatte mir von diesem Frühling und Sommer mehr Gutes erwartet. Ich sitze hier um kurz vor 12 bei Sonnenschein und bin absolut trübsinnig. Ich habe meine Hände vor mir auf dem Schreibtisch liegen, natürlich immer noch am Körper, und es fasziniert mich, wie diese Formen funktionieren und reagieren. Es ist ein Wunder. Die meisten Menschen nehmen diese Wunder nicht zur Kenntnis. Die Augen, der pure Wahnsinn. Wie funktioniert so etwas bei aller Empfindlichkeit?

Dienstag, 15. August 2000
Ich nehme jetzt wegen der Psyche keinerlei Tabletten mehr und so soll es wohl auch bleiben. Es hängt immer von meinen Problemen im richtigen Leben ab. Wenn da zu viel zusammen kommt, schaffe ich es nicht. 
Es ist unglaublich, dass wir zu den Sternen fliegen können für Milliarden Dollar und nicht in der Lage sind, die Menschen auf dem Planeten zu ernähren. Das sind die einfachen Widersprüche, die mir einfach nicht aufgehen.