Mittwoch, 13. Februar 2019

Zu Gast bei... Claire in Essen

Das Instagram-Profil claire25282 der gebürtigen Düsseldorferin Claire, 36, beeindruckte mich mit den ausgewählten, wohl dosierten Designerstücken. Als ich sie fragte, ob sie Lust auf eine Homestory auf meinem Blog hätte, war sie zuerst zögerlich: „Du weißt schon, dass ich nur eine Mini-Wohnung mit 40 Quadratmetern habe?“ Nein, wusste ich nicht – aber das macht es ja noch viel spannender! Riesen-Räumlichkeiten gekonnt einzurichten ist schließlich einfacher als umgekehrt. Außerdem ließ Claire durchklingen, dass sie vor nicht all zu langer Zeit ihr Leben komplett auf den Kopf gestellt hat, was mich sehr neugierig machte. 

Lest unten, warum sie den Reset-Knopf gedrückt hat (ich bewundere Menschen, die so mutig sind!), welche beiden Stühle auf ihrer Wunschliste ganz oben stehen und von welchem Beruf sie träumt. Hereinspaziert in Claires hübsches Reich!

Alle Fotos © claire25282
















Große Wohnungen schön einrichten kann jeder – was für Tricks hast du für deine 40 Quadratmeter?

Auf 40 Quadratmetern ist es manchmal schwierig, seine Leidenschaft für Interior auszuleben, einfach weil der Wohnraum sehr begrenzt ist. Ich hätte unheimlich gerne mehr Stühle oder noch ein bis zwei weitere Steh- oder Tischleuchten. Allerdings mag ich auch den etwas reduzierteren Look, da ich mich in zu voll gestellten Räumen unwohl und beengt fühle. Das ist auch der Grund, warum ich mich gegen ein großes Sofa im Wohnzimmer entschieden habe. Der Raum ist eher schmal und eine Eckcouch oder ein Ottomane hätte das Wohnzimmer schlichtweg erschlagen. Außerdem haben meine beiden Räume sehr große Fenster, was toll ist, aber auch das raubt einem wiederum Stellfläche. Mein Tipp wäre also, weniger ist mehr und lieber ein bis zwei besondere Stücke inszenieren und das „Drumherum“ ruhig gestalten. Meine Deko besteht aus wenigen ausgesuchten Teilen, die ich je nach Saison immer mit frischen Blumen oder Zweigen abwechslungsreich in Szene setze. 

Du hast erwähnt, dass du vor einiger Zeit den Reset-Knopf gedrückt hast. Das klingt sehr spannend – ich würde gerne mehr darüber wissen, erzähl mal bitte.
 
Ja, genau, ich habe vor eineinhalb Jahren mein ganzes Leben auf „Reset“ gesetzt. Ich wohnte in einer wunderschönen Altbau-Dachgeschosswohnung, die ich als „Ruine“ erstanden hatte und wo ich den Innenausbau komplett selbst geplant habe und nach meinen Wünschen umsetzen ließ. Ich bin ein großer Altbau-Fan und der Jugendstil hat es mir besonders angetan. Es war immer mein Traum, in einer solchen Wohnung zu leben und dort konnte ich mich wunderbar entfalten. Leider war ich auf beruflicher Ebene total unglücklich und habe eigentlich immer bereut, dass ich auf dem ersten Bildungsweg nicht mein Abitur gemacht habe. Also beschloss ich, mit 35 Jahren mein Abitur auf dem Abendgymnasium nachzuholen. Ich musste dann meine Wohnung leider aus finanziellen Gründen verkaufen, da ich meine Arbeitsstunden reduzieren musste, um von montags bis freitags von 17:30 bis 21:30 die Schulbank zu drücken. 

Ich arbeite jetzt etwa 20 Stunden vormittags und versuche alles unter einen Hut zu bringen. Nach so langer Zeit Lernabstinenz kann man sich die Herausforderung vielleicht vorstellen... Mein Ziel ist es, danach noch ein Studium zu beginnen. Am liebsten Innenarchitektur, Kunst und Design oder Journalismus, weil ich meine Leidenschaft für Interior gerne zum Beruf machen würde. Allerdings muss ich gucken, was die Zukunft bringt. Weil ich mich zu diesem drastischen Schritt leider erst sehr spät entschieden habe, sind meine Möglichkeiten bedauerlicherweise etwas begrenzt, aber träumen darf man ja bekanntlich.

Nun lebe ich also mit meinem kleinen Hündchen, das ich leider wegen Zeitmangel bei meinen Eltern unterbringen musste und nur am Wochende bei mir habe, auf 40 Quadratmetern und versuche das Beste daraus zu machen. Ich habe eine große Wohnküche, die tatsächlich das Herzstück der Wohnung darstellt, ein Wohnzimmer, das gleichzeitig auch das Schlafzimmer ist, ein Mini-Bad mit Dusche und einen kleinen Flur, welcher die beiden Räume miteinander verbindet. Die Wohnung ist wunderbar hell und die Deckenhöhe ist Gott sei Dank sehr großzügig, sodass die Räume etwas größer wirken. 

Du beherbergst viele Designklassiker in deiner Wohnung. Hast du dich schon immer fürs Einrichten interessiert oder warst geprägt durch deine Eltern? Woher nimmst du deine Inspiration?
 
Ich habe mich in der Tat schon immer für Möbeldesign, die verschiedenen Stilrichtungen und für das Einrichten generell interessiert. Aus meinem Elternhaus darf ich einige wunderbare antike Möbelstücke nun mein Eigen nennen und ich liebe den Mix aus alt und neu. Also zum Beispiel eine antike Kommode und als Kontrast dazu ein Regal oder Tisch im Bauhaus-Stil.

In meinem Elternhaus gab es diesen Mix nicht, dort herrschten Antiquitäten vor. Daher stammt auch meine große Liebe zu alten, antiken Möbelstücken – nur lockere ich dieses Bild bei mir selber gerne auf und finde Stilbrüche sehr spannend. Meine Inspiration hole ich momentan ausschließlich von Instagram. Da gibt es so viele tolle Accounts und ich bin immer wieder von den unterschiedlichen Einrichtungsstilen begeistert. 

Liest du Wohnzeitschriften?
 
Früher habe ich Wohnzeitschriften regelrecht verschlungen, am liebsten AD, AW und Schöner Wohnen. Mittlerweile fehlt mir einfach die Zeit dazu und bei Instagram hat man den Vorteil, dass man auch wenn man unterwegs ist, zwischendurch mal auf sein Smartphone gucken kann. 

Was ist die nächste geplante Anschaffung?
 
Meine nächste Anschaffung ist weniger geplant, eher ein Wunsch und zwar hätte ich gerne noch zwei weitere Küchenstühle als Ergänzung zu den beiden Fritz Hansen 7er-Modellen. Auch ein schöner Kontrast wäre mir wieder lieb. Ich hätte gerne den DKR Wire Chair von Vitra in Chrom und den CH24 Wishbone Chair von Carl Hansen in Eiche geölt. Ich liebe es, verschiedene Materialien zu kombinieren, in diesem Fall weiches, warmes Holz mit kühlem Metall. 

Wo kaufst du am liebsten ein?
 
Meine Möbel, die keine Erbstücke sind, habe ich bei Connox, einrichten-design und bei designfunktion hier in Essen gekauft. 

Welcher ist dein liebster Ort in deiner Wohnung?

Der liebste Ort in meiner Wohnung ist die Küche. Sie ist für so eine kleine Wohnung sehr großzügig und ich kann aus den großen Fenstern die ganze Straße überblicken. Am liebsten sitze ich an meinem Küchentisch, höre Musik, trinke Kaffee und beobachte das Treiben vor der Tür. 

Und welcher ist dein liebster Ort in deiner Stadt? 
Ich wohne in einem sehr lebendigen Stadtteil von Essen. Rüttenscheid ist fast wie eine kleine, eigenständige Stadt in der Stadt. Hier gibt es unzählige individuelle Cafés, Bars und wunderschöne inhabergeführte Einzelhandelsgeschäfte, wo man bezaubernde Wohnaccessoires und kleine Geschenke findet. Eigentlich muss man hier gar nicht raus – alles zentriert sich in unmittelbarer Umgebung. 

Hörst du gerne Musik? Welche?
 
Ja, total! Morgens zum Aufstehen, wenn ich von der Arbeit komme, im Auto und natürlich vor der Schule wird der Sonos-Lautsprecher nochmal voll aufgedreht, um Stress abzubauen. Ich bin geschmackstechnisch sehr breit gefächert, ich habe nicht die eine Band oder Musikrichtung. Ich mag sehr gerne Jazz und besuche dafür auch schon mal das ein oder andere Konzert bei uns in der Philharmonie in Essen. Ansonsten mag ich Pop, RnB, Elektronische Musik, Disco, Funk und den ein oder anderen Song aus den Charts. Sehr gerne höre ich die Stimmen von TheWeeknd, Sam Smith aber auch Klassiker wie Luther Vandross, Michael Jackson und Lisa Stansfield. Du merkst, ich steh auch musikalisch auf Stilbrüche. 

Hast du einen Lieblingskünstler oder -designer?
 
Ich habe ein Faible für skandinavische Designer wie Arne Jacobsen, Alvar Aalto, Verner Panton und Poul Henningsen. 

Deine Lieblingsfarbe?

Ich selber trage von Kopf bis Fuß ausnahmslos Schwarz. Wenn ich mal ganz wild bin, dann Grautöne. Aber meine Lieblingsfarbe ist witzigerweise ein warmes, pastelliges Gelb.

Dein Lieblingsmöbelstück?
 
Mein Lieblingsmöbelstück ist einmal der Sessel „Schwan” von Arne Jacobsen und das Bauhaus-Bücherregal von Egon Eiermann. 

Was darf in keiner Wohnung fehlen?

Meiner Meinung nach dürfen Bücher in keiner Wohnung fehlen, aber ich lebe nach der Devise „erlaubt ist, was gefällt“. 

Wo urlaubst du gerne?

Meinen letzten Urlaub habe ich in Noordwijk verbracht. Ich bin nicht so der Typ für Abenteuerurlaub oder viel Aktion. Ich habe außerdem Flugangst und für mich bedeutet Urlaub in erster Linie Entspannung, lange Spaziergänge, gutes Essen, Ruhe und Zeit. 

Und wohin wolltest du schon immer mal reisen?
 
In naher Zukunft würde ich gerne nach Schweden, Norwegen und Dänemark reisen – alleine schon wegen meiner Affinität zu skandinavischem Design.

Vielen Dank, liebe Claire, für das spannende und interessante Interview!

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