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Dienstag, 4. November 2025

Auf den Spuren von Pe Wolf

Mein Besuch neulich mit K in der Städtischen Galerie war Anlass, mal wieder hier zuhause fototechnisch tätig zu werden. Dort im Projektraum, das ist ein einzelner Raum abseits der eigentlichen „Haupt-Ausstellung“, waren Fotos von Pe Wolf zu sehen — unter dem Titel „Ohne Titel“. 

Ich mag, wie Pe Wolf mit Alltagsszenen oder Portraits arbeitet und die zerlegt. So ein guter Effekt — total simpel eigentlich, aber so wirkungsvoll. Ich glaube, er macht das aber noch etwas aufwändiger als ich, nämlich mit analogen Fotos. Ich hab hier digitale Aufnahmen aus meinem Fundus verwendet. 

Was soll ich sagen? Top Idee, Pe Wolf! 

Pe Wolf (*1944) hat mehrere Jahre als Technischer Fotolehrer an der Kunstakademie Karlsruhe gelehrt. 

Auf der Seite der Städtischen Galerie heißt es:
„Schnitt, Verschiebung, Trennung, Verdoppelung: Mit diesen präzisen und spielerischen Eingriffen erschafft Pe Wolf seine ebenso ungewöhnlichen wie eigenständigen Fotoarbeiten. Seine künstlerische Praxis schöpft aus dem Alltag und verwandelt persönliche Momente in universelle Bildwelten. Seit er 2014 mit seiner Ausstellung „ohne Auftrag“ erstmals einen umfassenden Einblick in sein fotografisches Werk gewährte, hat Wolf seine visuelle Sprache konsequent weiterentwickelt. Mit neuen Arbeiten kehrt er nun in die Städtische Galerie Karlsruhe zurück und bietet einen frischen Blick auf die Auseinandersetzung mit seinem Lebensumfeld, auf Reisen eingefangene Eindrücke und die Poesie beiläufiger Szenen, die er in eindringliche Stillleben verwandelt.“ (Quelle: Städtische Galerie)








Dienstag, 8. Juli 2025

Blau machen mit der Sonne — Cyanotypie-Experiment

Beim Durchblättern meines Bauhaus-Buchs bin ich darauf gekommen, mal wieder Cyanotypien herzustellen. Da waren nämlich einige Bilder ähnlicher Art zu sehen. In meinem Werkel-Spind fanden sich noch zwei alte Cyanotypie-Papiere. Wahrscheinlich zu alt, denn irgendwie funktionierte es nicht mehr richtig — der Kontrast von Objekt und Papier war kaum sichtbar. Eigentlich ist ja die Stelle, an der der Gegenstand der Sonne ausgesetzt war, viel heller. War aber nicht so. 

Also hab ich mir neues Papier bestellt (im Netz gibt es ganz viele Anbieter) und hab die knallige Sonne dieser Tage genutzt, um mit Licht zu „malen“. Schon faszinierend, wie das geht, mit diesem „Zauber“-Papier. Fühlt sich ein bisschen an wie Fotos entwickeln. 

Erst legt man das Papier mit dem gewünschten Objekt darauf für 10 bis 15 Minuten unter einem Glas in die Sonne. Danach wäscht man das Papier unter fließendem Wasser für etwa eine Minute ab und anschließend lässt man das Ganze an einem dunklen Ort gut trocknen. Anschließend hab ich meine Karten für zwei Nächte unter einen dicken Stapel Bücher gelegt, damit sie schön plan werden. Die kleine Artischockenblüte war ein Fail — die war zu dick für diese Technik. Je dünner das Objekt, desto besser funktioniert der Effekt.

Diese Objekte kamen zum Einsatz:

— ein Senkblei
— Stoffband (wer entziffert das Wort? Ja, sehr abstrakt...)
— Blech- und Kunststoffzeichen und -buchstaben
— Verpackungsmaterial aus Papier
— Artischockenblüte


Meine Drei haben leider nicht im Sommer Geburtstag und Sonne muss halt schon sein für Cyanotypien — sonst hätte ich das bestimmt mal an Kindergeburtstagen gemacht früher. Ich könnte mir das auch gut vorstellen im Unterricht an der Schule (muss ich meiner angehenden Lehrerin mal sagen). Das erinnert mich daran, wie wir damals im Kunstunterricht mit einer Taschenlampe Motive in Langzeitbelichtung à la Picasso fotografiert haben. Das war auch nice. Ach, es gibt so viele tolle Sachen...










Donnerstag, 26. September 2024

Architektur-Highlight II in Pforzheim: Die Matthäuskirche

Mein zweiter auserwählter Ort der Ornamenta nach dem Reuchlinhaus war die Matthäuskirche im Pforzheimer Stadtteil Arlinger. Als ich auf der Seite der Ornamenta das Foto aus der Kirche gesehen hatte, war es um mich geschehen — plus die Zusatzinfo, dass Egon Eiermann diese Kirche geplant hat und auch für die Innenausstattung federführend war. Egon Eiermann (1904 — 1970) lehrte nämlich hier von 1947 bis 1970 an der Technischen Hochschule Karlsruhe. Genau da, wo ich seinerzeit, lang lang ist’s her, auch ein bescheidenes Semester Architektur belegt hatte.

Besonders an dieser außergewöhnlichen Kirche sind die 2066 quadratischen in Beton gefasste Dickglasscheiben, was damals eine bahnbrechende Neuerung war und Vorbild für viele Kirchen der Nachkriegszeit. Die rötlichen, weißen und grauen Formsteine wurden gefertigt aus zermahlenem Trümmersplit des im zweiten Weltkrieg fast völlig zerbombten Pforzheims. Die Matthäuskirche ist die einzige Kirche, neben dem Neubau der bekannten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin, die Egon Eiermann entworfen hat.

Das Licht und die Atmosphäre, die diese vielen bunten Gläser verströmen, ist sehr beeindruckend. Ich hab mich sehr wohl gefühlt in dieser Kirche und bin einfach eine ganze Weile nur da gesessen und hab das auf mich wirken lassen.

Der Altar sieht aus wie ein überdimensionierter Eiermann-Tisch, dieser typische Architekten-Schreibtisch. (Ich schreibe diese Zeilen gerade an meinem Schreibtisch von Egon Eiermann...) Auch das Taufbecken ist ein Entwurf des Architekten, ebenso wie die formschönen Stühle SE121 mit dem hübschen Weidengeflecht, die von von Wilde & Spieth in Esslingen produziert wurden.

Nur die superschönen Pendelleuchten stammen nicht aus Eiermanns Feder, wie ich recherchiert habe: Sie heißen J.J.W. 05, stammen vom vom belgischen Möbeldesigner und Innenarchitekten Jules Wabbes (1919 — 1974)  und sind gar nicht mal so günstig (hier). Gut, dass sie in luftiger Höhe hängen!

















Dienstag, 24. September 2024

Architektur-Highlight I in Pforzheim: Das Reuchlinhaus

Als es noch wärmer war, schnappte ich mir die BNN aus dem Briefkasten und nahm sie mit ins Freibad. Und als ich dort so in der Sonne saß und in der Zeitung las, entdeckte ich eine gut gemachte halbseitige Anzeige für eine Ausstellung, die mir zwar nichts sagte, die aber sehr interessant klang: Ornamenta 2024. Als ich mich ein bisschen eingelesen hatte, wusste ich, das ist eine alle fünf Jahre stattfindende Kunst- und Design-Ausstellung in und um Pforzheim und dem Nordschwarzwald. Zwei Stationen hab ich mir aus dem Programm herausgepickt und sie am Wochenende besucht, auf den letzten Drücker sozusagen. Zur ersten Station nehme ich euch heute mit: ins Reuchlinhaus / Schmuckmuseum.

Das wunderbare Reuchlinhaus wurde 1961 nach dem Entwurf von Manfred Lehmbruck (1913—1993) errichtet. Im oberen Stockwerk ist die Schmuckausstellung zu sehen. Ein großer Raum im OG und das UG und der Innenhof waren für die Ornamenta-Ausstellung zu den Themen „Solartal“ und „Inhalatorium“ reserviert. Mich fasziniert an diesem Bau neben der kubischen Form der Materialmix aus Glas, Sichtbeton, Naturstein und Holz. Und die Treppe!

Von den ausgestellten Werken haben mich zwei besonders begeistert. Erstens „Intersolar“ — ein meterlanger, orangefarbener Vorhang.

Aus dem Begleittext:
„Intersolar ist eine textile Installation, die im Laufe der 100 Tage der Ornamenta ihr Aussehen verändert. Das Berliner Designstudio Meyers & Fügmann entwickelte das Textil nach einem Besuch eines Stickerei-Workshops im Nähcafé des Interkulturellen Familienzentrums Au, einer multinationalen Begegnungsstätte in Pforzheim. 

Nach der Herstellung auf einem Jacquard-Webstuhl des Unternehmens Zweigert und Sawitzki in Sindelfingen schmückten Frauen aus dem Pforzheimer Nähcafé den Stoff mit gestickten Symbolen und Erzählungen, die die Sonne als Quelle physischer und spiritueller Energie zeigen. Das neue Textil besteht unter anderem aus mit Naturfarben gefärbten Garnen, deren Pigmente auf die verändernde Kraft der Sonne anders reagieren als industriell hergestellte. Das Resultat ist eine langsame Verwandlung durch selektives Ausbleichen. Es wird ein Farbverlauf sichtbar, der an einen Sonnenuntergang erinnert. Durch das Hinzufügen ihrer Stickereien schirmen die Frauen bestimmte Bereiche von dem Effekt ab und erzählen so von unserer ambivalenten Beziehung zur Sonne mit ihrer belebenden wie auch zersetzenden Kraft.“

Und dann mochte ich sehr gerne „Île de Gorée“, die riesigen Palmen von Katrin Ströbel, die auf blauen DIN-A4 Blättern ausgedruckt waren und im (Ventilatoren-)Wind flatterten.

Aus dem Begleittext:
„Die durch Ventilatorenluft animierte großformatige Ansicht der senegalesischen Urlaubsinsel Île de Gorée vermittelt auf den ersten Blick Urlaubsgefühle. [...] Der Luftstrom der Ventilatoren unterstreicht diesen Eindruck, lässt die über 400 Blätter aber auch immer wieder so stark hochflattern, dass das Bild gestört und aufgerissen wird. Der Luftstoß legt die kahle Wand frei und man schaut für einen Moment hinter die Kulisse der heutigen Urlaubsidylle. Die Aufmerksamkeit wendet sich dem Verborgenen zu, das nicht nur die Vergangenheit und Geschichte der Insel bestimmt. Die Île de Gorée war die letzte Station für Sklaventransporte während der Überfahrt von Afrika über den Atlantik. In der Gegenwart ist sie ein Erinnerungsort und ein Symbol des Sklavenhandels. Zu sehen ist der letzte Blick von der Insel auf die Küste von Dakar vor der Abfahrt.“

Auch wenn die Ornamenta diese Woche zu Ende geht — das Reuchlinhaus ist auch „nur“ als Schmuckmuseum unbedingt einen Besuch wert!

Ein paar Ecken weiter steht ein weiteres, faszinierendes Haus. Mir kam sofort zurück in den Sinn, dass das früher ein Einrichtungshaus war namens Schmitt & Charissé, das ich als Kind mit meiner Mama besucht hab. Ich erinnerte mich auf der Stelle — obwohl das bestimmt 40 Jahre her ist! Aber wie könnte man diese grüne Fassade jemals vergessen?

Der zweite magische Ort in Pforzheim folgt demnächst.






















Dienstag, 12. Dezember 2023

Jahresausstellung 2023 an der Kunstakademie Karlsruhe

Sonntag Nachmittag hatte ich Lust, zur Kunstakademie zu radeln, um die feine Jahresausstellung zu sehen. Ich schnappte mir K und wir düsten los durch die Dämmerung (lustigerweise wusste er nicht, dass es in Karlsruhe einen Knast gibt — der liegt auf dem Weg zur Akademie und K war super erstaunt). Ich musste ihn erst ein bisschen überreden („Ich hab heut schon Basketball gespielt und wollte den Rest des Tages eigentlich chillen“), aber als wir dann dort waren, gefiel es K doch. Amüsiert war er über den Träger des pinkfarbenen Papierkopftuchs: „Was sind das für Leute?“ „100 Prozent Kunststudenten.“ Ich mag, dass es an der Akademie so unkompliziert, crazy, einfach bisschen anders als „normal“ ist.

Ich wünsche mir, dass meine Kinder, wenn sie mal ausgezogen sind, auch ohne mein Zutun Museen, Ausstellungen und Galerien besuchen. Ich möchte ihnen Kunst so gerne ans Herz legen, weil ich finde, dass sie das Leben sehr bereichert. Unter den unten gezeigten Werken ist auch Ks Favorit. Das Attribut, das er dafür fand, war „clean“. Das ist ein Lob. Wer kommt drauf, welches es ist?

Jahresausstellung 2023
Lichthof
Kunstakademie Karlsruhe
9. bis 17. 12.2023
Montag bis Samstag 9 bis 22 Uhr
Sonntag 14 bis 18 Uhr