Der Weg zu der Kirche in diesem Post war wie so oft verschlungen. Im April führte mich ein trauriges Ereignis in die Heimat. Das Krankenhaus in meinem Heimatort steht auf einem Hügel, schön gelegen ganz nah zu Streuobstwiesen — und zu einem Wohngebiet mit ein paar interessanten Häusern. Damals parkte ich meinen Wagen vor meinem Lieblingshaus dort oben. Ich erinnerte mich, dass in diesem Haus die Familie wohnte von einem Jungen, der mit mir auf der gleichen Schule war. Also hab ich versucht, ihn über das Internet zu kontaktieren, mit der Frage, ob er wisse, wer der Architekt seines schönen Elternhauses ist. Nach vier Wochen kam eine Antwort: Das Haus sei in den 1970er Jahren gebaut worden und der Architekt hieße Mutschler und käme aus Mannheim.
Mit diesen Informationen konnte ich „arbeiten“. Carlfried Mutschler (1926-99) studierte Architektur an der Technischen Hochschule in Karlsruhe und legte seine Diplomprüfung 1951 unter Egon Eiermann ab. Zu dem Wohnhaus in meiner Heimat konnte ich zwar leider nichts im Netz finden — dafür entdeckte ich aber eine spannende Kirche in Mannheim von dem gleichen Architekten (und zwar hier auf der Seite sobrutalism.org — sehr sehenswerte Seite!). Als ich P den Link schicke, mit der Ansage „Da müssen wir hin!“ meint sie auch „Krass, sieht gar nicht aus wie eine Kirche!“
Ein paar Wochen später haben wir dann tatsächlich einen Kirchen-Ausflug nach Mannheim gemacht. P hatte eine kleine Bedingung: „Ich fahr mit dir da hin, wenn du mich danach in Heidelberg dropst.“ Na klar! Deal!
Als wir von der Autobahn abfahren und auf die Bundesstraße nach Mannheim-Rheinau biegen, kommen wir plötzlich in einen Schwarz-Blau-Rausch. Es ist so kurios — jedes Straßenschild ist von hinten vollflächig in den Vereinsfarben von Waldhof-Mannheim besprüht. Wirklich jedes einzelne Schild (und es gibt viele Schilder!). Da haben die Ultras ja mal richtig Zeit und Mühe (und Geld für die Sprays) investiert, hahaha. Hab ich so noch nirgends gesehen.
Zuerst machen wir einen kleinen Zwischenstopp bei der Versöhnungskirche aus den 1960er Jahren von Helmut Striffler, ein ebenfalls überwiegend in Mannheim tätiger Architekt (von ihm stammt die auch sehr sehenswerte Versöhnungskirche in Dachau). Auf der Homepage der Evangelischen Kirche in Mannheim steht: „In Mannheim wohl einer der provozierendsten Kirchenneubauten nach 1945.“ Ich finde sie super! Leider ist die Kirche verschlossen.
Das sollte leider bei der Pfingstbergkirche von Carlfried Mutschler auch so sein. Aber allein die Außenansicht hat sich so was von gelohnt! Was für eine Kirche! Als wir vor ihr stehen, sind wir total eingenommen und überschlagen uns vor lauter Wows. Kein Witz. Dieser riesige Bau mit dem vielen Glas ergreift einen wirklich! Ich habe noch nie eine Kirche gesehen, die solche Fenster hat — man kann quasi durch die Kirche hindurchsehen. Die Kirche liegt wie in einem Park, sie ist umgeben von vielen großen Kiefern. Ein einziger Traum! Selbst P sagt: „Wirklich beeindruckend“, das hab ich von ihr so noch nie gehört. Sie schaut sich alles ganz interessiert und intensiv an, das freut mich besonders. Auch diese Details, die runden kleinen Glasbausteine in dem Treppenaufgang (?), die Typo an der Fassade neben dem Eingang, ... Einfach alles! So schade, dass viele Kirchen heutzutage nur noch zu Gottesdiensten geöffnet sind. Und so konnten wir diese faszinierende Kirche leider nur von Außen in Augenschein nehmen. Aber allein dafür hat sich der Weg von Karlsruhe nach Mannheim gelohnt!
























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